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Warum Feste für Kinder besonders nach Verlusterlebnissen so wichtig sind

Für unsere Tochter ist Weihnachten unbeschreiblich wichtig. Sie will so viele Familienmitglieder wie möglich um sich haben. Und die Lichter und den Christbaum. Natürlich auch Geschenke.  

Letztes Jahr hätten mein Mann und ich Weihnachten am liebsten ausfallen lassen. Unserer Tochter zuliebe – und weil dann doch keine wirklich passende Urlaubsdestination aufgetaucht ist – haben wir dann Weihnachten doch ganz traditionell gefeiert. Wir durften spontan zu meiner Schwester dazustoßen. Ich habe nette Erinnerungen an diesen Weihnachtsabend. 

 

Feste sind Rituale im Leben und geben Sicherheit

 

Für Kinder sind sie umso wichtiger, um ihnen die Stabilität der berechenbaren Wiederkehr zu geben.

Stabilität besonders in Zeiten, wenn die ganze Familie erschüttert ist. 

Berechenbarkeit in Zeiten, wenn die Willkür des Lebens dir einen lieben Menschen nahm. 

Wiederkehr von Festen, die im Jahreskreis verankert sind. Auf die sich Kinder verlassen können.

 

Das Leben ist Wandlung. 

 

Durch das sichtbare Leben des Jahreskreises erfahren sie dies von klein auf. Sie lernen auszulesen: es gibt dunkle Zeiten, es gibt helle Zeiten. Es gibt kalte Zeiten, es gibt warme Zeiten. Keine Phase bleibt immer bestehen. Alles wandelt sich.

Im weiteren Sinne helfen diese Erfahrungen -  und Kinder müssen alles erfahren und erleben, denn ihnen davon erzählen reicht kaum - durch die Trauer. Die Erfahrung, dass sich alles wandelt. Auch Gefühle. 

 

Um Kindern diese Stabilität zu geben, gestaltet Feste am besten immer ähnlich. Wenn das möglich ist.

 

Bekanntes gibt Stabilität

 

Wenn ihr immer einen großen Christbaum hattet, habt weiterhin einen großen. Wenn ihr ihn immer gemeinsam mit Weihnachtsmusik im Hintergrund geschmückt habt, legt auch dieses Jahr die Schnulzmusik auf und putzt den Baum heraus. Geht weiterhin auf Weihnachtsmärkte oder in die Kirche.

 

Vielleicht hast du Angst, dass dich deine Gefühle überwältigen. Daher willst du alles weglassen. Oder kleiner machen. 

 

Es ist in Ordnung vor deinen Kindern die Trauer zu zeigen. Wie sollen sie denn sonst lernen, dass es okay ist Gefühle zuzulassen. Wenn die Gefühle da sein dürfen, wirst du dich nicht ständig wie ein übervolles Fass fühlen, dass bei der kleinsten Erschütterung überläuft. Gemeinsam traurig sein bringt euch einander näher. Und darum geht es doch zu Weihnachten: Nähe zu unseren Liebsten. Auch die von euch Gegangenen bringt es denn näher zu euch. Wenn ihr soweit seid, könnt ihr euch Erinnerungen erzählen. 

 

Wenn euch wirklich alles zu viel ist, dann sagt das eurem Kind ganz ehrlich. 

 

Es tut mir leid, dass wir dieses Jahr nicht ....

Ich bin leider so traurig und müde, weil ich ... so sehr vermisse.

Ich habe dieses Jahr leider keine Kraft .... auch wenn ich sehe, dass du dir das wünschen würdest.

 

Dadurch könnt ihr ins Gespräch kommen. Frage dein Kind und höre was es fühlt und sich wünscht.

 

Wie fühlst denn du dich? 

Was würde dir gut tun? 

Gibt es etwas anderes, das wir gemeinsam machen können?

 

Wichtig ist es, dass ihr für eure Kinder sichtbar macht, dass ihr an die Verstorbenen denkt. 

 

Es reicht schon eine bewusste, sichtbare Handlung.

 

Etwa eine Kerze anzuzünden. 

 

Mögen die Weihnachtstage euch Frieden in euch schenken.

 

Herzensgrüße,

Sigrid

 

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