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Die Erzählung einer großen Liebe

 

Als sich die beiden fanden, traf sie die Liebe wie ein gleißender Blitz. Sie fielen und schwangen sich hoch in unerahnbare Gebiete des Himmels, um wieder und wieder in Untiefen zu fallen. Ihr Glaube an die Liebe, diese allesüberwindende Liebe, war stets stärker, größer, mächtiger als die großen und kleinen Steine, die ihnen durch ihr Schicksal zufielen.

Doch die Gesteinsbrocken wurden massiver. Sie versperrten den gemeinsamen Weg, forderten die Liebenden auf, andere Pfade zu beschreiten. Pfade so schmal, dass sie nicht nebeneinander gehen konnten, voll Dickicht und unwegsamem Gelände. Dornen hinterließen Spuren auf der einstmals weichen Haut.

 

Es gab unzählige Tage und Nächte, in denen sie sich fragte, ob die Narben jemals verheilen würden. Salzige Tränen trübten den früher klaren Blick, aus dem sich die beiden immer öfter verloren. Einsamkeit wurde ihr Begleiter, gesellte ich an jene Stelle, die einst für den anderen bestimmt war. Als die Tränen versiegt und die Verletzungen verheilt waren, versteinerten ihre Narben die früher zarte Haut. Die Narben betäubten ihre Berührungen, ließen sie sprachlos immer wieder in ihre Einsamkeit sinken.

 

Verloren im Labyrinth der Emotionen, prasselten erneut Schicksalssteine auf beide herab. Die Narben hatten sie steif werden lassen, für Ausweichmanöver fehlte jede Kraft. Der Steinregen ließ die Wunden erneut aufreißen.

Als sie verzweifelt auf ihre Wunden blickte, entdeckte sie weißes Licht, das unaufhörlich durch die Risse der weltlichen Hülle strömte. Sie entschied sich auf weitere Pflaster und Wundversorgung zu verzichten. Ahnend, fühlend, wissend stellte sie sich mitten in den Steinregen, der sich in diesem Moment in einen Meteoritenschauer wandelte. Sie stand im Feuer. Es spülte die alten Narben wie Wasser davon. Sie gab sich dieser Erfahrung vollkommen hin, wählte ihre Seele dem Schliff des Schicksals hinzugeben. Sie war bereit, alles aufzugeben und alles willkommen zu heißen, was ihr in diesem Leben zufiel. Was hatte sie noch zu verlieren?

 

Sie hoffte inständig, dass ihr Geliebter Gefährte ihres Seelenweges bleiben würde. Doch wusste sie, der einzige Weg für sie war es, all ihr Licht zuzulassen und ihm Ausdruck zu verleihen, denn sie hatte sich entschieden, ganz sie selbst zu sein.

Als sie wieder Boden unter den Füßen hatte, erkannte sie, dass auch seine Seele einen Schliff erfahren hatte. Leuchtend standen sich die beiden Seelen gegenüber – in neue Farben gekleidet, sodass sie einander kaum mehr wiedererkannten. Mit Seelenaufgaben, die sie in noch unbekannte Richtungen bewegen konnten.

 

So lösten sie ihre alten Gelübde, denn auch ein ungebrochenes Versprechen, kann ein Verbrechen an der Lebendigkeit sein. Ihr gemeinsamer Weg hatte sich erfüllt. Neue Wege warteten darauf, miteinander und alleine beschritten zu werden. Die drei kleinen Seelen, die aus ihrer Zuneigung geboren worden waren, verbanden sie ewiglich und erinnerten sie sanft und eindringlich an die Erzählung ihrer großen Liebe.

 

 

Seelenheil-Märchen finden mich. Plötzlich sind sie da und wollen niedergeschreiben oder erzählt werden. Teile sie gern, wenn du spürst, die Märchen können andere Menschen heilsam berühren. Bitte gib jedoch die Quelle, diese Website an. Ich danke dir.

 

Von Herzen,

Sigrid 

 

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