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STOP!

Als Mutter fällt es mir gar nicht so leicht Grenzen zu setzen, wenn es um darum geht, meinen eigenen Raum zu schaffen. Es ist ein gutes Zeichen, wenn dein Kind sich dir in jeder Gefühlslage vertrauensvoll zuwendet. Mamas sind für die meisten Kinder die erste Ansprechperson. Es ist etwas wunderschönes und wertvolles solch eine Bindung zu haben. Trotzdem möchte ich, dass meine Tochter vermehrt lernt, dass auch ich meine eigenen Bedürfnisse habe. 

Eine Freundin hat mir erzählt, dass sie eines Morgens aufgewacht ist und ihren vierjährigen Sohn ruhig spielend neben ihrem meditierenden Mann – also dem Papa – vorgefunden hat. Sie war perplex. Für sie wäre das nicht möglich. Solche und ähnliche Geschichten berichten mir viele Frauen. Es geht gar nicht darum zu werten. Die Beziehungen eines Kindes variieren von Bezugsperson zu Bezugsperson. Blieben wir also bei uns. Bleib bei dir. Als Mutter, Partnerin. Als Frau. Wenn du ständig durch den Wind bist oder schnell gereizt und genervt, liegt es an dir Ursachen zu erkennen. 

 

Nur du kannst erkennen und erspüren, was dir fehlt und was du brauchst.

 

Brauchst du mehr Ruhe, dann geht es darum Kinderbetreuung zu suchen – ob in der Familie oder außerhalb. Brauchst du mehr geistige Forderung, dann geht es darum festzustellen, wo du sie findest – in der Arbeit oder in sozialen Kontakten? Brauchst du mehr Bewegung, dann bewege dich.

 

Wenn wir keine Wege finden, um uns zu entfalten, werden wir unleidlich.

 

Es kann sein, dass du beginnst herumzuzicken. Es kann sein, dass du dich deprimiert fühlst. Das ist weder für dich gut noch für ein harmonisches Familienleben und eine glückliche Partnerschaft förderlich.

 

Daher: bleibe bei dir. Was brauchst du? Und handle danach.

 

Ich etwa war im letzten Urlaub in wunderbarem Morgenyoga. Dort habe ich mich daran erinnert, dass es mir letztes Jahr so gut getan hat, einfach früher aufzustehen, um den Tag in Ruhe mit mir zu beginnen. Also läutet mein Wecker nun wieder 40 Minuten früher.

 

Und eine meiner größten Freuden ist es zu schreiben. Daher meine Blogs. Manchmal überkommt es mich. Wenn ich nicht im Lauf der nächsten 24 Stunden dazukomme, meiner Gedanken aufzuschreiben, werde ich total unrund. Und wenn ich mitten im Niederschreiben gestört werde, werde ich grantig. Daher habe ich nun ein STOP – MAMA ARBEITET – Schild gebastelt.

 

Meine Tochter war so begeistert, dass sie für ihr Zimmer auch einige Schilder bekommen hat. STOP – Leni tanzt/schläft/entspannt/ist wütend. Ich habe mir dann die Freiheit genommen auch noch auf die Rückseite meines Schildes zu schreiben STOP – MAMA MACHT YOGA. Wir haben ausgemacht, uns nur im Notfall zu unterbrechen. Ich bin zufriedener. Meine Tochter ist es auch.

 

Es geht nicht darum andere auszugrenzen.

 

Es geht darum – im Sinne von Jesper Juul – meine Grenzen zu spüren und aufzuzeigen. Frauen fällt das oft schwer. Sollen wir doch für alle da sein. Ulla Krautwald bringt es für mich auf den Punkt:

Noch immer wird in unserer patriarchalisch geprägten Leistungsgesellschaft erwartet, dass eine Frau ihren Mann oder Freund auf den ersten Platz setzt. ... Wenn nicht seine, dann sollten doch zumindest die Interessen ihre Arbeitgebers ganz oben stehen. Wenn nicht der Arbeitgeber, dann wenigstens das Haus, die Karriere, das Geld und eventuell noch die Kinder. … Nicht so die Kaiserin. Die Kaiserin handelt so, wie es für sie selbst am besten ist. … Ihre Kinder werden selbstbewusst und mutig heranwachsen. Denn sie werden nicht die ungelebten Wünsche und Hoffnungen der Mutter ausleben. Die Kinder werden auch kein schlechtes Gewissen haben, denn die Kaiserin wird ihnen niemals sagen, deinetwegen habe ich den Wunsch aufgegeben, zu studieren oder Opernsängerin zu werden. … Wirklich interessante und geistreiche Männer fühlen sich übrigens von Frauen angezogen, die ihren Wert zu schätzen wissen und darum ihre eigenen Interessen verfolgen. Bei Kaiserinnen müssen sie sich niemals anhören, was sie ihm zuliebe alles ausgegeben haben.* All das hat nichts mit blankem Egoismus zu tun. 

 

Aus Sicht der TCM ist es unerlässlich, uns um unsere Entfaltung zu kümmern, um körperlich, geistig und seelisch gesund zu blieben. 

 

Durch den Mut uns zu entfalten können wir etwa Magenschmerzen, Kopfweh, PMS, Menstruationsprobleme, schmerzende Augen sowie Wutausbrüche oder sich deprimiert zu fühlen vorbeugen. Ein klares Nein können andere Menschen übrigens meist besser nehmen als ein Vielleicht. Das dazugehörige Mantra könnte lauten: Ich setze klare Grenzen aus Liebe zu mir selbst und um meinem Kind ein Vorbild zu sein.

 

Liebe Grüße,

Sigrid

 

 

 

* Aus: Die Geheimnisse der Kaiserin. Fernöstliche Strategien für Frauen. Von Ulja Krautwald. Piper-Verlag.

 

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